IWK INSTITUT FÜR WISSENSCHAFT UND KUNST

DONNERSTAG, 30. OKTOBER 2003, 9.30 - 18.00 UHR
EINLADUNG ZUR TAGUNG
Die doppelte Figur des "Lagers" - Überlegungen zur städtischen Raumproduktion


Das Ende flächendeckenden Verwaltungsdenkens lässt sich nicht nur in Begriffen politischer Theorie beschreiben, sondern kann auch an konkreten Veränderungen des Stadtraums nachgezeichnet werden. War es das Bestreben 'alter' Stadtplanung, einen flächendeckenden Plan zu entwerfen, konzentrieren sich neue Ansätze auf einige wenige Standorte, die eine 'totale' Planung erfahren, während die dazwischen liegenden Zonen unbestimmt bleiben. Dahinter verbirgt sich auch eine neue Wunschökonomie auf Seiten der BewohnerInnen: Wohnen wird als die Summe individueller Bedürfnisbefriedigung angesehen, die gebaute Umwelt dabei immer detaillierter den Erfordernissen des alltäglichen Lebens untergeordnet - ein
ideales Wohnen, das sich nicht für alle verwirklichen lässt und als dessen Gegenfolie sich ein davon geschiedener Restraum abzeichnet. Der Foucault'sche Begriff der Biopolitik scheint sich in besonderer Weise zur Kennzeichnung dieser Entwicklungen zu eignen, darüber hinaus auch Giorgio Agambens Figur des "Lagers" als jenem "nómos des politischen Raums, in dem wir heute leben". Beschreibt diese Figur zwar in erster Linie die räumliche und rechtliche Ausnahmesituation besonderer Topoi, so ist sie auch imstande, deren Zusammenhang mit einer anderen städtebaulichen Entwicklung zu benennen, deren Kehrseite sie darstellt. Die Figur des "Lagers" ist insofern eine doppelte: Sie kann sowohl für das
entrechtete, auf seine biologische Faktizität reduzierte Leben stehen, wie auch für das von seiner verrechtlichten Form ununterscheidbare bessere Leben in den Enklaven des new urbanism. Eine für die Tagung relevante Frage wird deshalb auch sein, mit welchen Strategien dieser Tendenz zukünftig entgegengewirkt werden kann.

9.30 Uhr:
Mag. Dr. Eva Waniek (Wien): Eröffnung
Ass. Prof. Dr. Wolfgang Pircher (Wien) /
DI Mag. Christa Kamleithner (Wien): Einleitungsreferat
10.00 Uhr:
Dr. Ralf Rother (Wien): Lager in Demokratien - Zum Beispiel Flughafenasylverfahren und Schutzzonen Moderation und Diskussion: DI Mag. Christa Kamleithner
10. 45 Uhr:
Dr. Karl Bruckschwaiger (Wien): Zukünftige Lager. Neue Raumordnungen einer global organisierten Flüchtlingspolitik Moderation und Diskussion: Mag. Dr. Eva Waniek
11.30 Uhr:
Mag. Dr. Katharina Zakravsky (Wien): Enthüllungen - Zum Lager als performativer Raum
Moderation und Diskussion: Ass. Prof. Dr. Wolfgang Pircher
12.15 Uhr: Mittagspause
14.00 Uhr:
DI Mag. Christa Kamleithner (Wien): Zwischen Analyse und Konstruktion: Themen als Mittel der Raumplanung
Moderation und Diskussion: Ass. Prof. Dr. Wolfgang Pircher
14.45 Uhr:
Prof. Dr. Rudolf Stichweh (Luzern): Varianten der räumlichen Organisation der Stadt: Entwicklungsmuster des 20. Jahrhunderts
Moderation und Diskussion: DI Mag. Christa Kamleithner
15.45 Uhr: Pause
16.00 Uhr:
Dr. Friedrich Balke (Köln/Siegen): Die Stadt und ihre Auslagerungen. Politik in der 'Antigone'
Moderation und Diskussion: Mag. Dr. Eva Waniek
17.00 Uhr:
Prof. Dr. Georg Franck (Wien): Soziale Raumzeit
Moderation und Diskussion: Ass. Prof. Dr. Wolfgang Pircher

Biografien der Vortragenden finden Sie auf unserer Homepage
http://homehobel.phl.univie.ac.at/~iwk/0304ref.html

Konzept und Organisation: IWK-Forschungsgruppe "Sozial- und Kulturwissenschaften":
DI Mag. Christa Kamleithner / Univ. Ass. Prof. Dr. Wolfgang Pircher / Mag. Dr. Eva Waniek
Gefördert von: Magistrat der Stadt Wien / MA 7 - Wissenschafts- und Forschungsförderung

Veranstaltungsort:
INSTITUT FÜR WISSENSCHAFT UND KUNST
1090 Wien, Berggasse 17, Seminarraum 3
Telefon / Fax: (++43 1) 317 43 42