C
Die Idee
§ 213
Die Idee ist das Wahre an und für sich, die absolute Einheit des
Begriffs und der Objektivität. Ihr ideeller Inhalt ist kein anderer
als der Begriff in seinen Bestimmungen; ihr reeller Inhalt ist nur seine
Darstellung, die er sich in der Form äußerlichen Daseins gibt
und [der,] diese Gestalt in seine Idealität eingeschlossen, in seiner
Macht, so sich in ihr erhält.
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Die Definition des Absoluten, daß es die Idee ist,
ist nun selbst absolut. Alle bisherigen Definitionen gehen in diese zurück.—Die
Idee ist die Wahrheit; denn die Wahrheit ist dies, daß die
Objektivität dem Begriffe entspricht,—nicht daß äußerliche
Dinge meinen Vorstellungen entsprechen; dies sind nur richtige Vorstellungen,
die Ich Dieser habe. In der Idee handelt es sich nicht um Diesen,
noch um Vorstellungen, noch um äußerliche Dinge.—Aber auch alles
Wirkliche, insofern es ein Wahres ist, ist die Idee und hat seine Wahrheit
allein durch und kraft der Idee. Das einzelne Sein ist irgendeine Seite
der Idee, für dieses bedarf es daher noch anderer Wirklichkeiten,
die gleichfalls als besonders für sich bestehende erscheinen; in ihnen
zusammen und in ihrer Beziehung ist allein der Begriff realisiert. Das
Einzelne für sich entspricht seinem Begriffe nicht; diese Beschränktheit
seines Daseins macht seine Endlichkeit und seinen Untergang aus.
Die Idee selbst ist nicht zu nehmen als eine Idee
von irgend etwas, sowenig als der Begriff bloß als bestimmter
Begriff. Das Absolute ist die allgemeine und eine Idee, welche als
urteilend sich zum System der bestimmten Ideen besondert,
die aber nur dies sind, in die eine Idee, in ihre Wahrheit zurückzugehen.
Aus diesem Urteil ist es, daß die Idee zunächst nur die
eine, allgemeine Substanz ist, aber ihre entwickelte, wahrhafte
Wirklichkeit ist, daß sie als Subjekt und so als Geist ist.
Die Idee wird häufig, insofern sie nicht eine
Existenz zu ihrem Ausgangs- und Stützungspunkt habe, für
ein bloß formelles Logisches genommen. Man muß solche Ansicht
den Standpunkten überlassen, auf welchen das existierende Ding und
alle weiteren noch nicht zur Idee durchgedrungenen Bestimmungen noch für
sogenannte Realitäten und wahrhafte Wirklichkeiten gelten.—Ebenso
falsch ist die Vorstellung, als ob die Idee nur das Abstrakte sei.
Sie ist es allerdings insofern, als alles Unwahre sich in ihr aufzehrt;
aber an ihr selbst ist sie wesentlich konkret, weil sie der freie,
sich selbst und hiermit zur Realität bestimmende Begriff ist. Nur
dann wäre sie das Formell-Abstrakte, wenn der Begriff, der ihr Prinzip
ist, als die abstrakte Einheit, nicht, wie er ist, als die negative
Rückkehr seiner in sich und als die Subjektivität
genommen würde.
Zusatz. Unter Wahrheit versteht man zunächst,
daß ich wisse, wie etwas ist. Dies ist jedoch die Wahrheit
nur in Beziehung auf das Bewußtsein oder die formelle Wahrheit, die
bloße Richtigkeit. Dahingegen besteht die Wahrheit im tieferen Sinn
darin, daß die Objektivität mit dem Begriff identisch ist. Dieser
tiefere Sinn der Wahrheit ist es, um den es sich handelt, wenn z.B. von
einem wahren Staat oder von einem wahren Kunstwerk die Rede
ist. Diese Gegenstände sind wahr, wenn sie das sind, was sie
sein sollen, d.h. wenn ihre Realität ihrem Begriff entspricht.
So aufgefaßt ist das Unwahre dasselbe, was sonst auch das Schlechte
genannt wird. Ein schlechter Mensch ist ein unwahrer Mensch, d.h. ein Mensch,
der sich seinem Begriff oder seiner Bestimmung nicht gemäß verhält.
Ganz ohne Identität des Begriffs und der Realität vermag indes
nichts zu bestehen. Auch das Schlechte und Unwahre ist nur, insofern
dessen Realität noch irgendwie sich seinem Begriff gemäß
verhält. Das durchaus Schlechte oder Begriffswidrige ist eben damit
ein in sich selbst Zerfallendes. Der Begriff allein ist es, wodurch die
Dinge in der Welt ihren Bestand haben, d.h, in der Sprache der religiösen
Vorstellung: die Dinge sind das, was sie sind, nur durch den ihnen inwohnenden
göttlichen und damit schöpferischen Gedanken.—Wenn von der Idee
gesprochen wird, so hat man sich darunter nicht etwas Fernes und Jenseitiges
vorzustellen. Die Idee ist vielmehr das durchaus Gegenwärtige, und
ebenso findet sich dieselbe auch in jedem Bewußtsein, wenn auch getrübt
und verkümmert.—Wir stellen uns die Welt vor als ein großes
Ganzes, welches von Gott erschaffen ist, und zwar so, daß sich uns
Gott in derselben kundgegeben hat. Ebenso betrachten wir die Welt als durch
die göttliche Vorsehung regiert, und darin liegt, daß das Außereinander
der Welt ewig zur Einheit, aus der sie hervorgegangen ist, zurückgeführt
und derselben gemäß erhalten wird.—In der Philosophie ist es
von jeher um nichts anderes zu tun gewesen als um die denkende Erkenntnis
der Idee, und allem, was den Namen der Philosophie verdient, hat stets
das Bewußtsein einer absoluten Einheit dessen, was dem Verstand nur
in seiner Trennung gilt, zugrunde gelegen.—Daß die Idee die Wahrheit
ist, dafür ist der Beweis nicht erst jetzt zu verlangen; die ganze
bisherige Ausführung und Entwicklung des Denkens enthält diesen
Beweis. Die Idee ist das Resultat dieses Verlaufs, welches jedoch nicht
so zu verstehen ist, als ob dieselbe ein nur, d.h. ein durch anderes
als sie selbst Vermitteltes wäre. Vielmehr ist die Idee ihr eigenes
Resultat und als solches das ebenso Unmittelbare als Vermittelte. Die bisher
betrachteten Stufen des Seins und des Wesens und ebenso des Begriffs und
der Objektivität sind in diesem ihrem Unterschied nicht ein Festes
und auf sich Beruhendes, sondern es haben sich dieselben als dialektisch
erwiesen, und ihre Wahrheit ist nur die, Momente der Idee zu sein.
§ 214
Die Idee kann als die Vernunft (dies ist die eigentliche philosophische
Bedeutung für Vernunft), ferner als Subjekt-Objekt, als die
Einheit des Ideellen und Reellen, des Endlichen und Unendlichen, der
Seele und des Leibs, als die Möglichkeit, die ihre Wirklichkeit
an ihr selbst hat, als das, dessen Natur nur existierend begriffen
werden kann usf., gefaßt werden, weil in ihr alle Verhältnisse
des Verstandes, aber in ihrer unendlichen Rückkehr und Identität
in sich enthalten sind.
-
Der Verstand hat leichte Arbeit, alles, was von der Idee gesagt wird, als
in sich widersprechend aufzuzeigen. Dies kann ihm ebenso heimgegeben
werden, oder vielmehr ist es schon in der Idee bewerkstelligt;—eine Arbeit,
welche die Arbeit der Vernunft und freilich nicht so leicht wie die seinige
ist.—Wenn der Verstand zeigt, daß die Idee sich selbst widerspreche,
weil z.B. das Subjektive nur subjektiv und das Objektive demselben vielmehr
entgegengesetzt, das Sein etwas ganz anderes als der Begriff sei und daher
nicht aus demselben herausgeklaubt werden könne, ebenso das Endliche
nur endlich und gerade das Gegenteil vom Unendlichen, also nicht mir demselben
identisch sei, und so fort durch alle Bestimmungen hindurch, so zeigt vielmehr
die Logik das Entgegengesetzte auf, daß nämlich das Subjektive,
das nur subjektiv, das Endliche, das nur endlich, das Unendliche, das nur
unendlich sein soll und so ferner, keine Wahrheit hat, sich widerspricht
und in sein Gegenteil übergeht, womit dies Übergehen und die
Einheit, in welcher die Extreme als aufgehobene, als ein Scheinen oder
Momente sind, sich als ihre Wahrheit offenbart.
Der Verstand, welcher sich an die Idee macht, ist
der doppelte Mißverstand, daß er erstlich die Extreme
der Idee, sie mögen ausgedrückt werden, wie sie wollen, insofern
sie in ihrer Einheit sind, noch in dem Sinne und der Bestimmung
nimmt, insofern sie nicht in ihrer konkreten Einheit, sondern noch
Abstraktionen außerhalb derselben sind. Nicht weniger verkennt
er die Beziehung, selbst auch wenn sie schon ausdrücklich gesetzt
ist; so übersieht er z.B. sogar die Natur der Kopula im Urteil,
welche vom Einzelnen, dem Subjekte, aussagt, daß das Einzelne ebensosehr
nicht Einzelnes, sondern Allgemeines ist.—Fürs andere hält
der Verstand seine Reflexion, daß die mit sich identische
Idee das Negative ihrer selbst, den Widerspruch, enthalte, für
eine äußerliche Reflexion, die nicht in die Idee selbst
falle. In der Tat ist dies aber nicht eine dem Verstande eigene Weisheit,
sondern die Idee ist selbst die Dialektik, welche ewig das mit sich Identische
von dem Differenten, das Subjektive von dem Objektiven, das Endliche von
dem Unendlichen, die Seele von dem Leibe, ab- und unterscheidet und nur
insofern ewige Schöpfung, ewige Lebendigkeit und ewiger Geist ist.
Indem sie so selbst das Übergehen oder vielmehr das sich Übersetzen
in den abstrakten Verstand ist, ist sie ebenso ewig Vernunft;
sie ist die Dialektik, welche dieses Verständige, Verschiedene über
seine endliche Natur und den falschen Schein der Selbständigkeit seiner
Produktionen wieder verständigt und in die Einheit zurückführt.
Indem diese gedoppelte Bewegung nicht zeitlich, noch auf irgendeine Weise
getrennt und unterschieden ist—sonst wäre sie wieder nur abstrakter
Verstand—, ist sie das ewige Anschauen ihrer selbst im Anderen; der Begriff,
der in seiner Objektivität sich selbst ausgeführt hat,
das Objekt, welches innere Zweckmäßigkeit, wesentliche
Subjektivität ist.
Die verschiedenen Weisen, die Idee aufzufassen,
als Einheit des Ideellen und Reellen, des Endlichen und Unendlichen,
der Identität und der Differenz und so fort, sind mehr
oder weniger formell, indem sie irgendeine Stufe des bestimmten
Begriffs bezeichnen. Nur der Begriff selbst ist frei und das wahrhaft
Allgemeine; in der Idee ist daher seine Bestimmtheit ebenso
nur er selbst,—eine Objektivität, in welche er als das Allgemeine
sich fortsetzt und in der er nur seine eigene, die totale Bestimmtheit
hat. Die Idee ist das unendliche Urteil, dessen Seiten jede die
selbständige Totalität und eben dadurch, daß jede sich
dazu vollendet, in die andere ebensosehr übergegangen ist. Keiner
der sonst bestimmten Begriffe ist diese in ihren beiden Seiten vollendete
Totalität als der Begriff selbst und die Objektivität.
§ 215
Die Idee ist wesentlich Prozeß, weil ihre Identität nur
insofern die absolute und freie des Begriffs ist, insofern sie die absolute
Negativität und daher dialektisch ist. Sie ist der Verlauf, daß
der Begriff als die Allgemeinheit, welche Einzelheit ist, sich zur Objektivität
und zum Gegensatz gegen dieselbe bestimmt und diese Äußerlichkeit,
die den Begriff zu ihrer Substanz hat, durch ihre immanente Dialektik sich
in die Subjektivität zurückführt.
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Weil die Idee a) Prozeß ist, ist der Ausdruck für das
Absolute: 'die Einheit des Endlichen und Unendlichen, des Denkens
und Seins usf.,' wie oft erinnert, falsch; denn die Einheit drückt
abstrakte, ruhig beharrende Identität aus. Weil sie b) Subjektivität
ist, ist jener Ausdruck ebenso falsch, denn jene Einheit drückt das
Ansich, das Substantielle der wahrhaften Einheit aus. Das
Unendliche erscheint so als mit Endlichem nur neutralisiert, so
das Subjektive mit dem Objektiven, das Denken mit dem Sein. Aber in der
negativen Einheit der Idee greift das Unendliche über das Endliche
hinüber, das Denken über das Sein, die Subjektivität über
die Objektivität. Die Einheit der Idee ist Subjektivität, Denken,
Unendlichkeit und dadurch wesentlich von der Idee als Substanz zu
unterscheiden, wie diese übergreifende Subjektivität,
Denken, Unendlichkeit von der einseitigen Subjektivität, dem
einseitigen Denken, der einseitigen Unendlichkeit, wozu sie sich urteilend,
bestimmend herabsetzt, zu unterscheiden ist.
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Zusatz. Die Idee, als Prozeß, durchläuft
in ihrer Entwicklung drei Stufen. Die erste Form der Idee ist das Leben,
d.i. die Idee in der Form der Unmittelbarkeit. Die zweite Form ist dann
die der Vermittlung oder der Differenz, und dies ist die Idee als Erkennen,
welches in der gedoppelten Gestalt der theoretischen und der praktischen
Idee erscheint. Der Prozeß des Erkennens hat zu seinem Resultat die
Wiederherstellung der durch den Unterschied bereicherten Einheit, und dies
gibt die dritte Form der hiermit absoluten Idee, welche letzte Stufe
des logischen Prozesses sich zugleich als das wahrhaft Erste und nur durch
sich selbst Seiende erweist.
a. Das Leben
§ 216
Die unmittelbare Idee ist das Leben. Der Begriff ist als
Seele in einem Leibe realisiert, von dessen Äußerlichkeit
jene die unmittelbare sich auf sich beziehende Allgemeinheit, ebenso
dessen Besonderung, so daß der Leib keine anderen Unterschiede
als die Begriffsbestimmung an ihm ausdrückt, endlich die Einzelheit
als unendliche Negativität ist,—die Dialektik seiner auseinanderseienden
Objektivität, welche aus dem Schein des selbständigen Bestehens
in die Subjektivität zurückgeführt wird, so daß alle
Glieder sich gegenseitig momentane Mittel wie momentane Zwecke sind
und das Leben, so wie es die anfängliche Besonderung ist, sich
als die negative für sich seiende Einheit resultiert
und sich in der Leiblichkeit als dialektischer nur mit sich selbst zusammenschließt.—So
ist das Leben wesentlich Lebendiges und nach seiner Unmittelbarkeit
Dieses Einzelne Lebendige. Die Endlichkeit hat in dieser Sphäre
die Bestimmung, daß um der Unmittelbarkeit der Idee willen Seele
und Leib trennbar sind; dies macht die Sterblichkeit des Lebendigen
aus. Aber nur insofern es tot ist, sind jene zwei Seiten der Idee verschiedene
Bestandstücke.
Zusatz. Die einzelnen Glieder des Leibes sind das,
was sie sind, nur durch ihre Einheit und in Beziehung auf dieselbe. So
ist z.B. eine Hand, welche vom Leibe abgehauen wird, nur noch dem Namen
nach eine Hand, aber nicht der Sache nach, wie schon Aristoteles
bemerkt.—Vom Standpunkt des Verstandes aus pflegt das Leben als ein Geheimnis
und überhaupt als unbegreiflich betrachtet zu werden. Der Verstand
bekennt indes hiermit nur seine Endlichkeit und Nichtigkeit. Das Leben
ist in der Tat so wenig ein Unbegreifliches, daß wir an demselben
vielmehr den Begriff selbst und näher die als Begriff existierende,
unmittelbare Idee vor uns haben. Hiermit ist dann auch sogleich
der Mangel des Lebens ausgesprochen. Dieser Mangel besteht darin, daß
hier Begriff und Realität einander noch nicht wahrhaft entsprechen.
Der Begriff des Lebens ist die Seele, und dieser Begriff hat den Leib zu
seiner Realität. Die Seele ist gleichsam ergossen in ihre Leiblichkeit,
und so ist dieselbe nur erst empfindend, aber noch nicht freies
Fürsichsein. Der Prozeß des Lebens besteht dann darin, die Unmittelbarkeit,
in welcher dasselbe noch befangen ist, zu überwinden, und dieser Prozeß,
welcher selbst wieder ein dreifacher ist, hat zu seinem Resultat die Idee
in der Form des Urteils, d.h. die Idee als Erkennen.
§ 217
Das Lebendige ist der Schluß, dessen Momente selbst Systeme und Schlüsse
(§ 198, 201, 207) in sich sind, welche aber tätige Schlüsse,
Prozesse, und in der subjektiven Einheit des Lebendigen nur ein
Prozeß sind. Das Lebendige ist so der Prozeß seines Zusammenschließens
mit sich selbst, das sich durch drei Prozesse verläuft.
§ 218
Der erste ist der Prozeß des Lebendigen innerhalb seiner,
in welchem es sich an ihm selbst dirimiert und sich seine Leiblichkeit
zu seinem Objekte, seiner unorganischen Natur, macht. Diese als
das relativ Äußerliche tritt an ihr selbst in den Unterschied
und Gegensatz über Momente, die sich gegenseitig preisgeben und eins
das andere sich assimilieren und sich selbst produzierend erhalten. Diese
Tätigkeit der Glieder ist aber nur die eine des Subjekts, in welche
ihre Produktionen zurückgehen, so daß darin nur das Subjekt
Produziert wird, d.i. es sich nur reproduziert.
Zusatz. Der Prozeß des Lebendigen innerhalb
seiner selbst hat in der Natur die dreifache Form der Sensibilität,
der Irritabilität und der Reproduktion. Als Sensibilität ist
das Lebendige unmittelbar einfache Beziehung auf sich, die Seele, welche
überall gegenwärtig ist, in ihrem Leibe, dessen Außereinander
für sie keine Wahrheit hat. Als Irritabilität erscheint das Lebendige
in sich selbst dirimiert, und als Reproduktion ist dasselbe aus dem inneren
Unterschied seiner Glieder und Organe sich stets wiederherstellend. Das
Lebendige ist nur als dieser sich fortwährend erneuernde Prozeß
innerhalb seiner selbst.
§ 219
2. Das Urteil des Begriffs geht als frei aber dazu fort, das Objektive
als eine selbständige Totalität aus sich zu entlassen, und die
negative Beziehung des Lebendigen auf sich macht als unmittelbare
Einzelheit die Voraussetzung einer ihm gegenüberstehenden unorganischen
Natur. Indem dies Negative seiner ebensosehr Begriffsmoment des Lebendigen
selbst ist, so ist es in diesem, dem zugleich konkreten Allgemeinen, als
ein Mangel. Die Dialektik, wodurch das Objekt als an sich
Nichtiges sich aufhebt, ist die Tätigkeit des seiner selbst gewissen
Lebendigen, welches in diesem Prozeß gegen eine unorganische
Natur hiermit sich selbst erhält, sich entwickelt
und objektiviert.
Zusatz. Das Lebendige steht einer unorganischen
Natur gegenüber, zu welcher es sich als dessen Macht verhält
und die es sich assimiliert. Das Resultat dieses Prozesses ist nicht wie
beim chemischen Prozeß ein neutrales Produkt, in welchem die Selbständigkeit
der beiden Seiten, welche einander gegenübergestanden, aufgehoben
ist, sondern das Lebendige erweist sich als übergreifend über
sein Anderes, welches seiner Macht nicht zu widerstehen vermag. Die unorganische
Natur, welche von dem Lebendigen unterworfen wird, erleidet dies um deswillen,
weil sie an sich dasselbe ist, was das Leben für sich
ist. Das Lebendige geht so im Anderen nur mit sich selbst zusammen. Wenn
die Seele aus dem Leibe entflohen ist, so beginnen die elementarischen
Mächte der Objektivität ihr Spiel. Diese Mächte sind sozusagen
fortwährend auf dem Sprunge, ihren Prozeß im organischen Leibe
zu beginnen, und das Leben ist der beständige Kampf dagegen.
§ 220
3. Indem das lebendige Individuum, das in seinem ersten Prozeß sich
als Subjekt und Begriff in sich verhält, durch seinen zweiten seine
äußerliche Objektivität sich assimiliert und so die reelle
Bestimmtheit in sich setzt, so ist es nun an sich Gattung,
substantielle Allgemeinheit. Die Besonderung derselben ist die Beziehung
des Subjekts auf ein anderes Subjekt seiner Gattung, und das Urteil
ist das Verhältnis der Gattung zu diesen so gegeneinander bestimmten
Individuen;—die Geschlechtsdifferenz.
§ 221
Der Prozeß der Gattung bringt diese zum Fürsichsein.
Das Produkt desselben, weil das Leben noch die unmittelbare Idee ist, zerfällt
in die beiden Seiten, daß nach der einen das lebendige Individuum
überhaupt, das zuerst als unmittelbar vorausgesetzt wurde, nun als
ein Vermitteltes und Erzeugtes hervorgeht; daß nach
der anderen aber die lebendige Einzelheit, die sich um ihrer ersten
Unmittelbarkeit willen negativ zur Allgemeinheit verhält,
in dieser als der Macht untergeht.
Zusatz. Das Lebendige stirbt, weil es der Widerspruch
ist, an sich das Allgemeine, die Gattung zu sein und doch unmittelbar
nur als Einzelnes zu existieren. Im Tode erweist sich die Gattung als die
Macht über das unmittelbar Einzelne.—Für das Tier ist der Prozeß
der Gattung der höchste Punkt seiner Lebendigkeit. Dasselbe gelangt
aber nicht dazu, in seiner Gattung für sich zu sein, sondern es erliegt
der Macht derselben. Das unmittelbar Lebendige vermittelt sich im Prozeß
der Gattung mit sich selbst und erhebt sich so über seine Unmittelbarkeit,
aber nur um immer wieder zu derselben zurückzusinken. Das Leben verläuft
sich hiermit zunächst nur in die schlechte Unendlichkeit des Progresses
ins Unendliche. Was indes dem Begriff nach durch den Prozeß des Lebens
zustande kommt, das ist die Aufhebung und Überwindung der Unmittelbarkeit,
in welcher die Idee als Leben noch befangen ist.
§ 222
Die Idee des Lebens aber hat damit sich nicht nur von irgendeinem
(besonderen) unmittelbaren Diesen befreit, sondern von dieser ersten
Unmittelbarkeit überhaupt; sie kommt damit zu sich, zu ihrer
Wahrheit; sie tritt hiermit als freie Gattung für sich selbst
in die Existenz. Der Tod der nur unmittelbaren einzelnen Lebendigkeit
ist das Hervorgehen des Geistes.
b. Das Erkennen
§ 223
Die Idee existiert frei für sich, insofern sie die Allgemeinheit
zum Elemente ihrer Existenz hat oder die Objektivität selbst
als der Begriff ist, die Idee sich zum Gegenstande hat. Ihre zur Allgemeinheit
bestimmte Subjektivität ist reines Unterschieden innerhalb
ihrer,—Anschauen, das sich in dieser identischen Allgemeinheit hält.
Aber als bestimmtes Unterscheiden ist sie das fernere Urteil, sich
als Totalität von sich abzustoßen, und zwar zunächst sich
als äußerliches Universum vorauszusetzen. Es sind zwei
Urteile, die an sich identisch, aber noch nicht als identisch gesetzt
sind.
§ 224
Die Beziehung dieser beiden Ideen, die an sich oder als Leben identisch
sind, ist so die relative, was die Bestimmung der Endlichkeit
in dieser Sphäre ausmacht. Sie ist das Reflexionverhältnis,
indem die Unterscheidung der Idee in ihr selbst nur das erste Urteil,
das Voraussetzen noch nicht als ein Setzen, für die
subjektive Idee daher die objektive die vorgefundene unmittelbare
Welt oder die Idee als Leben in der Erscheinung der einzelnen Existenz
ist. Zugleich in einem ist, insofern dies Urteil reines Unterscheiden innerhalb
ihrer selbst ist (vorherg. §), sie für sich sie selbst
und ihre andere; so ist sie die Gewißheit der an
sich seienden Identität dieser objektiven Welt mit ihr.—Die Vernunft
kommt an die Welt mit dem absoluten Glauben, die Identität setzen
und ihre Gewißheit zur Wahrheit erheben zu können, und
mit dem Triebe, den für sie an sich nichtigen Gegensatz auch
als nichtig zu setzen.
§ 225
Dieser Prozeß ist im allgemeinen das Erkennen. An sich
wird in ihm in einer Täitigkeit der Gegensatz, die Einseitigkeit der
Subjektivität mit der Einseitigkeit der Objektivität, aufgehoben.
Aber dies Aufheben geschieht zunächst nur an sich; der Prozeß
als solcher ist daher unmittelbar selbst mit der Endlichkeit dieser Sphäre
behaftet und zerfällt in die gedoppelte, als verschieden gesetzte
Bewegung des Triebs,—die Einseitigkeit der Subjektivität der
Idee aufzuheben vermittels der Aufnahme der seienden Welt in sich,
in das subjektive Vorstellen und Denken, und die abstrakte Gewißheit
seiner selbst mit dieser so als wahrhaft geltenden Objektivität als
Inhalt zu erfüllen,—und umgekehrt die Einseitigkeit
der objektiven Welt, die hiermit hier im Gegenteil nur als ein Schein,
eine Sammlung von Zufälligkeiten und an sich nichtigen Gestalten gilt,
aufzuheben, sie durch das Innere des Subjektiven, das hier als das
wahrhaft seiende Objektive gilt, zu bestimmen und ihr dieses einzubilden.
Jenes ist der Trieb des Wissens nach Wahrheit, Erkennen als solches,
die theoretische, —dieses der Trieb des Guten zur Vollbringung
desselben, das Wollen, die praktische Tätigkeit der
Idee.
a. Das Erkennen
§ 226
Die allgemeine Endlichkeit des Erkennens, die in dem einen Urteil, der
Voraussetzung des Gegensatzes (§ 224) liegt, gegen welche sein
Tun selbst der eingelegte Widerspruch ist, bestimmt sich näher an
seiner eigenen Idee dazu, daß deren Momente die Form der Verschiedenheit
voneinander erhalten und, indem sie zwar vollständig sind, in das
Verhältnis der Reflexion, nicht des Begriffs zueinander zu stehen
kommen. Die Assimilation des Stoffes als eines Gegebenen erscheint daher
als die Aufnahme desselben in die ihm zugleich äußerlich
bleibenden Begriffsbestimmungen, welche ebenso in der Verschiedenheit gegeneinander
auftreten. Es ist die als Verstand tätige Vernunft. Die Wahrheit,
zu der dies Erkennen kommt, ist daher gleichfalls nur die endliche;
die unendliche des Begriffs ist als ein nur an sich seiendes Ziel,
ein Jenseits für dasselbe fixiert. Es steht aber in seinem
äußerlichen Tun unter der Leitung des Begriffs, und dessen Bestimmungen
machen den inneren Faden des Fortgangs aus.
Zusatz. Die Endlichkeit des Erkennens liegt in
der Voraussetzung einer vorgefundenen Welt, und das erkennende Subjekt
erscheint hierbei als eine tabula rasa. Man hat diese Vorstellung
dem Aristoteles zugeschrieben, obschon niemand von dieser äußerlichen
Auffassung des Erkennens entfernter ist als gerade Aristoteles. Dies Erkennen
weiß sich noch nicht als die Tätigkeit des Begriffs, welche
es nur an sich ist, aber nicht für sich. Sein Verhalten
erscheint ihm selbst als ein passives, in der Tat ist dasselbe jedoch aktiv.
§ 227
Das endliche Erkennen hat, indem es das Unterchiedene als ein vorgefundenes,
ihm gegenüberstehendes Seiendes—die mannigfaltigen Tatsachen
der äußeren Natur oder des Bewußtseins—voraussetzt, 1.
zunächst für die Form seiner Tätigkeit die formelle Identität
oder die Abstraktion der Allgemeinheit. Diese Tätigkeit besteht
daher darin, das gegebene Konkrete aufzulösen, dessen Unterschiede
zu vereinzeln und ihnen die Form abstrakter Allgemeinheit zu geben;
oder das Konkrete als Grund zu lassen und durch Abstraktion von
den unwesentlich scheinenden Besonderheiten ein konkretes Allgemeines,
die Gattung oder die Kraft und das Gesetz, herauszuheben;—analytische
Methode.
Zusatz. Man pflegt von analytischer und
synthetischer Methode so zu sprechen, als ob es bloß Sache
unseres Beliebens sei, die eine oder die andere zu befolgen. Dies ist jedoch
keineswegs der Fall, sondern es ist die Form der zu erkennenden Gegenstände
selbst, von welcher es abhängt, welche der genannten beiden, aus dem
Begriff des endlichen Erkennens sich ergebenden Methoden zur Anwendung
zu bringen ist. Das Erkennen ist zunächst analytisch; das Objekt hat
für dasselbe die Gestalt der Vereinzelung, und die Tätigkeit
des analytischen Erkennens ist darauf gerichtet, das demselben vorliegende
Einzelne auf ein Allgemeines zurückzuführen. Das Denken hat hier
nur die Bedeutung der Abstraktion oder der formellen Identität. Dies
ist der Standpunkt, auf welchem Locke und alle Empiriker stehen.
Viele sagen, weiter könne das Erkennen überhaupt nichts tun,
als die gegebenen konkreten Gegenstände in ihre abstrakten Elemente
zu zerlegen und diese dann in ihrer Isolierung zu betrachten. Es erhellt
indes sogleich, daß dies ein Verkehren der Dinge ist und daß
das Erkennen, welches die Dinge nehmen will, wie sie sind hierbei
mit sich selbst in Widerspruch gerät. So z.B. bringt der Chemiker
ein Stück Fleisch auf seine Retorte, martert dasselbe auf vielfache
Weise und sagt dann, er habe gefunden, daß dasselbe aus Stickstoff,
Kohlenstoff, Wasserstoff usw. bestehe. Diese abstrakten Stoffe sind dann
aber kein Fleisch mehr. Ebenso verhält es sich, wenn der empirische
Psychologe eine Handlung in die verschiedenen Seiten, die dieselbe der
Betrachtung darbietet, zerlegt und diese dann in ihrer Trennung festhält.
Der analytisch behandelte Gegenstand wird hierbei gleichsam als eine Zwiebel
betrachtet, der man eine Haut nach der andern abzieht.
§ 228
Diese Allgemeinheit ist 2. auch eine bestimmte; die Tätigkeit
geht hier an den Momenten des Begriffes fort, der im endlichen Erkennen
nicht in seiner Unendlichkeit, der verständige bestimmte Begriff
ist. Die Aufnahme des Gegenstandes in die Formen desselben ist die synthetische
Methode.
Zusatz. Die Bewegung der synthetischen Methode
ist das Umgekehrte der analytischen Methode. Während diese vom Einzelnen
ausgehend zum Allgemeinen fortschreitet, so bildet dagegen bei jener das
Allgemeine (als Definition) den Ausgangspunkt, von welchem durch
die Besonderung (in der Einteilung) zum Einzelnen (dem Theorem)
fortgeschritten wird. Die synthetische Methode erweist sich hiermit als
die Entwicklung der Momente des Begriffs am Gegenstande.
§ 229
aa) Der Gegenstand, von dem Erkennen zunächst in die Form des bestimmten
Begriffes überhaupt gebracht, so daß hiermit dessen Gattung
und dessen allgemeine Bestimmtheit gesetzt wird, ist die Definition.
Ihr Material und Begründung wird durch die analytische Methode (§
227) herbeigeschafft. Die Bestimmtheit soll jedoch nur ein Merkmal,
d.i. zum Behufe des dem Gegenstande äußerlichen, nur subjektiven
Erkennens sein.
Zusatz. Die Definition enthält selbst die
drei Momente des Begriffs: das Allgemeine, als die nächste Gattung
(genus proximum), das Besondere, als die Bestimmtheit der Gattung
(qualitas specifica), und das Einzelne, als den definierten Gegenstand
selbst.—Bei der Definition entsteht zunächst die Frage, wo dieselbe
herkommt, und diese Frage ist überhaupt dahin zu beantworten, daß
die Definitionen auf analytischem Wege entstehen. Damit ist dann aber auch
sogleich die Veranlassung zum Streit über die Richtigkeit der aufgestellten
Definition gegeben, denn es kommt dabei darauf an, von welchen Wahrnehmungen
man ausgegangen ist und was für Gesichtspunkte man dabei vor Augen
gehabt hat. Je reicher der zu definierende Gegenstand ist, d.h. je mehr
verschiedene Seiten er der Betrachtung darbietet, um so verschiedener pflegen
dann auch die davon aufgestellten Definitionen auszufallen. So gibt es
z.B. eine ganze Menge von Definitionen vom Leben, vom Staat usw. Die Geometrie
hat dagegen gut Definitionen machen, da ihr Gegenstand, der Raum, ein so
abstrakter ist.—Weiter ist nun überhaupt in Ansehung des Inhalts der
definierten Gegenstände keine Notwendigkeit vorhanden. Man hat es
sich so gefallen zu lassen, daß es einen Raum, daß es Pflanzen,
Tiere usw., gibt, und es ist nicht Sache der Geometrie, der Botanik usw,.
die Notwendigkeit der genannten Gegenstände aufzuzeigen. Für
die Philosophie eignet sich schon um dieses Umstandes willen die synthetische
Methode sowenig wie die analytische, denn die Philosophie hat sich vor
allen Dingen über die Notwendigkeit ihrer Gegenstände zu rechtfertigen.
Gleichwohl hat man auch in der Philosophie mehrfältig versucht, sich
der synthetischen Methode zu bedienen. So beginnt namentlich Spinoza mit
Definitionen und sagt z.B.: die Substanz ist die causa sui. In seinen
Definitionen ist das Spekulativste niedergelegt, aber in der Form von Versicherungen.
Dasselbe gilt dann auch von Schelling.
§ 230
bb) Die Angabe des zweiten Begriffsmoments, der Bestimmtheit des Allgemeinen
als Besonderung, ist die Einteilung, nach irgendeiner äußerlichen
Rücksicht.
Zusatz. Von der Einteilung wird gefordert, daß
dieselbe vollständig sei, und dazu gehört ein Prinzip oder Einteilungsgrund,
welcher so beschaffen ist, daß die darauf begründete Einteilung
den ganzen Umfang des durch die Definition im allgemeinen bezeichneten
Gebiets umfaßt. Näher ist es dann bei der Einteilung darum zu
tun, daß das Prinzip derselben aus der Natur des einzuteilenden Gegenstandes
selbst entnommen und die Einteilung somit natürlich und nicht bloß
künstlich, d.h. willkürlich gemacht sei. So werden z.B. in der
Zoologie bei der Einteilung der Säugetiere vornehmlich die Zähne
und die Klauen als Einteilungsgrund gebraucht, und dies ist insofern sinnig,
als die Säugetiere selbst sich durch diese Teile ihres Körpers
voneinander unterscheiden und der allgemeine Typus der verschiedenen Klassen
derselben darauf zurückzuführen ist.—Überhaupt ist die wahrhafte
Einteilung als durch den Begriff bestimmt zu betrachten. Dieselbe ist insofern
zunächst dreiteilig; indem dann aber die Besonderheit sich als ein
Gedoppeltes darstellt, so schreitet damit die Einteilung auch zur Vierteiligkeit
fort. In der Sphäre des Geistes herrscht das Trichotomische vor, und
es gehört zu den Verdiensten Kants, auf diesen Umstand aufmerksam
gemacht zu haben.
§ 231
cc) In der konkreten Einzelheit, so daß die in der Definition
einfache Bestimmtheit als ein Verhältnis aufgefaßt ist,
ist der Gegenstand eine synthetische Beziehung unterschiedener Bestimmungen;—ein
Theorem. Die Identität derselben, weil sie verschiedene sind,
ist eine vermittelte. Das Herbeibringen des Materials, welches die
Mittelglieder ausmacht, ist die Konstruktion, und die Vermittlung
selbst, woraus die Notwendigkeit jener Beziehung für das Erkennen
hervorgeht, der Beweis.
-
Nach gewöhnlichen Angaben von dem Unterschiede der synthetischen und
analytischen Methode erscheint es im ganzen als beliebig, welche man gebrauchen
wolle. Wenn das Konkrete, das nach der synthetischen Methode als Resultat
dargestellt ist, vorausgeseztz wird, so lassen sich aus demselben
die abstrakten Bestimmungen als Folgen herausanalysieren, welche die Voraussetzungen
und das Material für den Beweis ausmachten. Die algebraischen
Definitionen der krummen Linien sind Theoreme in dem geometrischen
Gange; so würde etwa auch der pythagoreische Lehrsatz, als Definition
des rechtwinkligen Dreiecks angenommen, die in der Geometrie zu seinem
Behuf früher erwiesenen Lehrsätze durch Analyse ergeben. Die
Beliebigkeit der Wahl beruht darauf, daß die eine wie die andere
Methode von einem äußerlich Vorausgesetzten ausgeht.
Der Natur des Begriffes nach ist das Analysieren das erste, indem es den
gegebenen empirisch-konkreten Stoff vorerst in die Form allgemeiner Abstraktionen
zu erheben hat, welche dann erst als Definitionen in der synthetischen
Methode vorangestellt werden können.
Daß diese Methoden, so wesentlich und von
so glänzendem Erfolge in ihrem eigentümlichen Felde, für
das philosophische Erkennen unbrauchbar sind, erhellt von selbst, da sie
Voraussetzungen haben und das Erkennen sich darin als Verstand und als
Fortgehen an formeller Identität verhält. Bei Spinoza,
der die geometrische Methode vornehmlich, und zwar für spekulative
Begriffe gebrauchte, macht sich der Formalismus derselben sogleich auffallend.
Die Wolffische Philosophie, welche sie zum weitesten Pedantismus
ausgebildet, ist auch ihrem Inhalte nach Verstandesmetaphysik.—An die Stelle
des Mißbrauchs, der mit dem Formalismus dieser Methoden in der Philosophie
und in den Wissenschaften getrieben worden, ist in neueren Zeiten der Mißbrauch
mit der sogenannten Konstruktion getreten. Durch Kant war
die Vorstellung in Umlauf gebracht worden, daß die Mathematik ihre
Begriffe konstruiere; dies sagte nichts anderes, als daß sie
es mit keinen Begriffen, sondern mit abstrakten Bestimmungen sinnlichen
Anschauungen zu tun hat. So ist denn die Angabe sinnlicher,
aus der Wahrnehmung aufgegriffener Bestimmungen mit Umgehung des
Begriffs und der fernere Formalismus, philosophische und wissenschaftliche
Gegenstände nach einem vorausgesetzten Schema tabellarisch, übrigens
nach Willkür und Gutdünken, zu klassifizieren, eine Konstruktion
der Begriffe genannt worden. Es liegt dabei wohl eine dunkle Vorstellung
der Idee, der Einheit des Begriffes und der Objektivität,
sowie daß die Idee konkret sei, im Hintergrunde. Aber jenes Spiel
des sogenannten Konstruierens ist weit entfernt, diese Einheit darzustellen,
die nur der Begriff als solcher ist, und ebensowenig ist das Sinnlich-Konkrete
der Anschauung ein Konkretes der Vernunft und der Idee.
Weil es übrigens die Geometrie mit der sinnlichen,
aber abstrakten Anschauung des Raums zu tun hat, so kann sie ungehindert
einfache Verstandesbestimmungen in ihm fixieren; sie hat deswegen allein
die synthetische Methode des endlichen Erkennens in ihrer Vollkommenheit.
Sie stößt jedoch in ihrem Gange, was sehr bemerkenswert ist,
zuletzt auf Inkommensurabilitäten und Irrationalitäten,
wo sie, wenn sie im Bestimmen weitergehen will, über das verständige
Prinzip hinausgetrieben wird. Auch hier tritt, wie sonst häufig,
an der Terminologie die Verkehrung ein, daß, was rational
genannt wird, das Verständige, was aber irrational,
vielmehr ein Beginn und Spur der Vernünftigkeit ist. Andere
Wissenschaften, wenn sie, was ihnen notwendig und oft, da sie sich nicht
in dem Einfachen des Raumes oder der Zahl befinden, geschieht, an die Grenze
ihres verständigen Fortgehens kommen, helfen sich auf leichte Weise.
Sie brechen die Konsequenz desselben ab und nehmen, was sie brauchen, oft
das Gegenteil des Vorhergehenden, von außen, aus der Vorstellung,
Meinung, Wahrnehmung oder woher es sonst sei, auf. Die Bewußtlosigkeit
dieses endlichen Erkennens über die Natur seiner Methode und deren
Verhältnis zum Inhalt läßt es weder erkennen, daß
es in seinem Fortgehen durch Definitionen, Einteilungen usf. von der Notwendigkeit
der Begriffbestimmungen fortgeleitet wird, noch wo es an seiner
Grenze ist, noch, wenn es dieselbe überschritten hat, daß es
sich in einem Felde befindet, wo die Verstandesbestimmungen nicht mehr
gelten, die es jedoch roherweise noch darin gebraucht.
-
§ 232
Die Notwendigkeit, welche das endliche Erkennen im Beweise
hervorbringt, ist zunächst eine äußerliche, nur für
die subjektive Einsicht bestimmte. Aber in der Notwendigkeit als solcher
hat es selbst seine Voraussetzung und den Ausgangspunkt, das Vorfinden
und Gegebensein seines Inhalts, verlassen. Die Notwendigkeit als
solche ist an sich der sich auf sich beziehende Begriff. Die subjektive
Idee ist so an sich zu dem an und für sich Bestimmten, Nichtgegebenen,
und daher demselben als dem Subjektive Immanenten gekommen und geht
in die Idee des Wollens über.
Zusatz. Die Notwendigkeit, zu welcher das Erkennen
durch den Beweis gelangt, ist das Gegenteil von dem, was für dasselbe
den Ausgangspunkt bildet. In seinem Ausgangspunkt hatte das Erkennen einen
gegebenen und zufälligen Inhalt; nunmehr aber, am Schluß seiner
Bewegung, weiß es den Inhalt als einen notwendigen, und diese Notwendigkeit
ist durch die subjektive Tätigkeit vermittelt. Ebenso war zunächst
die Subjektivität ganz abstrakt, eine bloße tabula rasa,
wohingegen dieselbe sich nunmehr als bestimmend erweist. Hierin aber liegt
der Übergang von der Idee des Erkennens zur Idee des Wollens. Dieser
Übergang besteht dann näher darin, daß das Allgemeine in
seiner Wahrheit als Subjektivität, als sich bewegender, tätiger
und Bestimmungen setzender Begriff aufzufassen ist.
b. Das Wollen
§ 233
Die subjektive Idee als das an und für sich Bestimmte und sich selbst
gleicher, einfacher Inhalt ist das Gute. Ihr Trieb, sich
zu realisieren, hat das umgekehrte Verhältnis gegen die Idee des Wahren
und geht darauf, vielmehr die vorgefundene Welt nach seinem Zwecke
zu bestimmen.—Dieses Wollen hat einerseits die Gewißheit der
Nichtigkeit des vorausgesetzten Objekts, andererseits aber setzt
es als Endliches zugleich den Zweck des Guten als nur subjektive
Idee und die Selbständigkeit des Objekts voraus.
§ 234
Die Endlichkeit dieser Tätigkeit ist Widerspruch, daß
in den selbst widersprechenden Bestimmungen der objektiven Welt der Zweck
des Guten ebenso ausgeführt wird als auch nicht, daß er
als ein unwesentlicher so sehr als ein wesentlicher, als ein wirklicher
und zugleich als nur möglicher gesetzt ist. Dieser Widerspruch stellt
sich als der unendliche Progreß der Verwirklichung des Guten
vor, das darin nur als ein Sollen fixiert ist. Formell ist
aber das Verschwinden dieses Widerspruches darin, daß die Tätigkeit
die Subjektivität des Zweckes und damit die Objektivität, den
Gegensatz, durch den beide endlich sind, und nicht nur die Einseitigkeit
dieser Subjektivität, sondern sie im Allgemeinen aufhebt; eine
andere solche Subjektivität, d.i. ein neues Erzeugen
des Gegensatzes, ist von der, die eine vorige sein sollte, nicht unterschieden.
Diese Rückkehr in sich ist zugleich die Erinnerung des Inhalts
in sich, welcher das Gute und die an sich seiende Identität
beider Seiten ist,—die Erinnerung an die Voraussetzung des theoretischen
Verhaltens (§ 224), daß das Objekt das an ihm Substantielle
und Wahre sei.
Zusatz. Während es der Intelligenz nur darum
zu tun ist, die Welt so zu nehmen, wie sie ist, so geht dagegen
der Wille darauf aus, die Welt erst zu dem zu machen, was sie sein soll.
Das Unmittelbare, das Vorgefundene gilt dem Willen nicht als ein festes
Sein, sondern nur als ein Schein, als ein an sich Nichtiges. Es kommen
hier die Widersprüche vor, in denen man sich auf dem Standpunkt der
Moralität herumtreibt. Es ist dies überhaupt in praktischer Beziehung
der Standpunkt der Kantischen und auch noch der Fichteschen
Philosophie. Das Gute soll realisiert werden; man hat daran zu arbeiten,
dasselbe hervorzubringen, und der Wille ist nur das sich betätigende
Gute. Wäre dann aber die Welt so, wie sie sein soll, so fiele damit
die Tätigkeit des Willens hinweg. Der Wille fordert also selbst, daß
sein Zweck auch nicht realisiert werde. Die Endlichkeit des Willens ist
damit richtig ausgesprochen. Bei dieser Endlichkeit ist dann aber nicht
stehenzubleiben, und der Prozeß des Willens selbst ist es, wodurch
dieselbe und der in ihr enthaltene Widerspruch aufgehoben wird. Die Versöhnung
besteht darin, daß der Wille in seinem Resultat zur Voraussetzung
des Erkennens zurückkehrt, somit in der Einheit der theoretischen
und praktischen Idee. Der Wille weiß den Zweck als das Seinige, und
die Intelligenz faßt die Welt als den wirklichen Begriff auf. Dies
ist die wahrhafte Stellung des vernünftigen Erkennens. Das Nichtige
und Verschwindende macht nur die Oberfläche, nicht das wahrhafte Wesen
der Welt aus. Dieses ist der an und für sich seiende Begriff, und
die Welt ist so selbst die Idee. Das unbefriedigte Streben verschwindet,
wenn wir erkennen, daß der Endzweck der Welt ebenso vollbracht ist,
als er sich ewig vollbringt. Dies ist überhaupt die Stellung des Mannes,
während die Jugend meint, die Welt liege schlechthin im argen und
es müsse aus derselben erst ein ganz anderes gemacht werden. Das religiöse
Bewußtsein betrachtet dagegen die Welt als durch die göttliche
Vorsehung regiert und somit als dem entsprechend, was sie sein soll.
Diese Übereinstimmung von Sein und Sollen ist indes nicht eine erstarrte
und prozeßlose; denn das Gute, der Endzweck der Welt, ist
nur, indem es sich stets hervorbringt, und zwischen der geistigen und natürlichen
Welt besteht dann noch der Unterschied, daß, während diese nur
beständig in sich selbst zurückkehrt, in jener allerdings auch
ein Fortschreiten stattfindet.
§ 235
Die Wahrheit des Guten in damit gesetzt, als die Einheit
der theoretischen und praktischen Idee, daß das Gute an und für
sich erreicht,—die objektive Welt so an und für sich die Idee ist,
wie sie zugleich ewig als Zweck sich setzt und durch Tätigkeit
ihre Wirklichkeit hervorbringt.—Dieses aus der Differenz und Endlichkeit
des Erkennens zu sich zurückgekommene und durch die Tätigkeit
des Begriffs mit ihm identisch gewordene Leben ist die spekulative oder
absolute Idee.
c. Die absolute Idee
§ 236
Die Idee als Einheit der subjektiven und der objektiven Idee ist der Begriff
der Idee, dem die Idee als solche der Gegenstand, dem das Objekt sie ist;—ein
Objekt, in welches alle Bestimmungen zusammengegangen sind. Diese Einheit
ist hiermit die absolute und alle Wahrheit, die sich selbst denkende
Idee, und zwar hier als denkende, als logische Idee.
Zusatz. Die absolute Idee ist zunächst die
Einheit der theoretischen und der praktischen Idee und damit zugleich die
Einheit der Idee des Lebens und der Idee des Erkennens. Im Erkennen hatten
wir die Idee in der Gestalt der Differenz, und der Prozeß des Erkennens
hat sich uns als die Überwindung dieser Differenz und als die Wiederherstellung
jener Einheit ergeben, welche als solche und in ihrer Unmittelbarkeit zunächst
die Idee des Lebens ist. Der Mangel des Lebens besteht darin, nur erst
die an und für sich seiende Idee zu sein; dahingegen
ist ebenso einseitigerweise das Erkennen die nur für sich seiende
Idee. Die Einheit und Wahrheit dieser beiden ist die an und für sich
seiende und hiermit absolute Idee.—Bisher haben wir die Idee
in der Entwicklung durch ihre verschiedenen Stufen hindurch zu unserem
Gegenstand gehabt; nunmehr aber ist die Idee sich selbst gegenständlich.
Dies ist die noesis noeseos , welche schon Aristoteles
als die höchste Form der Idee bezeichnet hat.
§ 237
Für sich ist die absolute Idee, weil kein Übergehen noch
Voraussetzen und überhaupt keine Bestimmtheit, welche nicht flüssig
und durchsichtig wäre, in ihr ist, die reine Form des Begriffs, die
ihren Inhalt als sich selbst anschaut. Sie ist sich Inhalt,
insofern sie das ideelle Unterscheiden ihrer selbst von sich und das eine
der Unterschiedenen die Identität mit sich ist, in der aber die Totalität
der Form als das System der Inhaltsbestimmungen enthalten ist. Dieser Inhalt
ist das System des Logischen. Als Form bleibt hier der Idee
nichts als die Methode dieses Inhalts,—das bestimmte Wissen von
der Währung ihrer Momente.
Zusatz. Wenn von der absoluten Idee gesprochen
wird, so kann man meinen, hier werde erst das Rechte kommen, hier müsse
sich alles ergeben. Gehaltlos deklamieren kann man allerdings über
die absolute Idee in das Weite und Breite; der wahre Inhalt ist indes kein
anderer als das ganze System, dessen Entwicklung wir bisher betrachtet
haben. Es kann hiernach auch gesagt werden, die absolute Idee sei das Allgemeine,
aber das Allgemeine nicht bloß als abstrakte Form, welchem der besondere
Inhalt als ein Anderes gegenübersteht, sondern als die absolute Form,
in welche alle Bestimmungen, die ganze Fülle des durch dieselbe gesetzten
Inhalts zurückgegangen ist. Die absolute Idee ist in dieser Hinsicht
dem Greis zu vergleichen, der dieselben Religionssätze ausspricht
als das Kind, für welchen dieselben aber die Bedeutung seines ganzen
Lebens haben. Wenn auch das Kind den religiösen Inhalt versteht, so
gilt ihm derselbe doch nur als ein solches, außerhalb dessen noch
das ganze Leben und die ganze Welt liegt.—Ebenso verhält es sich dann
auch mit dem menschlichen Leben Überhaupt und den Begebenheiten, die
den Inhalt desselben ausmachen. Alle Arbeit ist nur auf das Ziel gerichtet,
und wenn dies erreicht ist, so ist man verwundert, nichts anderes zu finden
als eben dies, was man wollte. Das Interesse liegt in der ganzen Bewegung.
Wenn der Mensch sein Leben verfolgt, dann kann ihm das Ende als sehr beschränkt
erscheinen, aber der ganze decursus vitae ist es, welcher darin
zusammengenommen ist.—So ist denn auch der Inhalt der absoluten Idee die
ganze Ausbreitung, die wir bisher vor uns hatten. Das Letzte ist die Einsicht,
daß die ganze Entfaltung den Inhalt und das Interesse ausmacht. —Weiter
ist dies die philosophische Ansicht, daß alles, was für sich
genommen als ein Beschränktes erscheint, dadurch seinen Wert erhält,
daß es dem Ganzen angehört und Moment der Idee ist. So ist es,
daß wir den Inhalt gehabt haben, und was wir noch haben, das ist
das Wissen, daß der Inhalt die lebendige Entwicklung der Idee ist,
und dieser einfache Rückblick ist in der Form enthalten. Eine jede
der bisher betrachteten Stufen ist ein Bild des Absoluten, aber zunächst
in beschränkter Weise, und so treibt sie sich fort zum Ganzen, dessen
Entfaltung dasjenige ist, was wir als Methode bezeichneten.
§ 238
Die Momente der spekulativen Methode sind a)
der Anfang, der das Sein oder Unmittelbare ist; für
sich aus dem einfachen Grunde, weil er der Anfang ist. Von der spekulativen
Idee aus aber ist es ihr Selbstbestimmen, welches als die absolute
Negativität oder Bewegung des Begriffs urteilt und sich als
das Negative seiner selbst setzt. Das Sein, das für den Anfang
als solchen als abstrakte Affirmation erscheint, ist so vielmehr die Negation,
Gesetztsein, Vermitteltsein überhaupt und Vorausgesetztsein.
Aber als die Negation des Begriffs, der in seinem Anderssein schlechthin
identisch mit sich und die Gewißheit seiner selbst ist, ist es der
noch nicht als Begriff gesetzte Begriff oder der Begriff an sich.—Dies
Sein ist darum als der noch unbestimmte, d.i. nur an sich oder unmittelbar
bestimmte Begriff ebensosehr das Allgemeine.
-
Der Anfang wird im Sinne des unmittelbaren Seins aus der Anschauung und
Wahrnehmung genommen,—der Anfang der analytischen Methode des endlichen
Erkennens; im Sinn der Allgemeinheit ist er der Anfang der synthetischen
Methode desselben. Da aber das Logische unmittelbar ebenso Allgemeines
als Seiendes, ebenso von dem Begriffe sich Vorausgesetztes als unmittelbar
er selbst ist, so ist sein Anfang ebenso synthetischer als analytischer
Anfang.
Zusatz. Die philosophische Methode ist sowohl analytisch
als auch synthetisch, jedoch nicht in dem Sinn eines bloßen Nebeneinander
oder einer bloßen Abwechslung dieser beiden Methoden des endlichen
Erkennens, sondern vielmehr so, daß sie dieselben als aufgehoben
in sich enthält und demgemäß in einer jeden ihrer Bewegungen
sich als analytisch und synthetisch zugleich verhält.
Analytisch verfährt das philosophische Denken, insofern
dasselbe seinen Gegenstand, die Idee, nur aufnimmt, dieselbe gewähren
läßt und der Bewegung und Entwicklung derselben gleichsam nur
zusieht. Das Philosophieren ist insofern ganz passiv. Ebenso ist dann aber
das philosophische Denken synthetisch und erweist sich als die Tätigkeit
des Begriffs selbst. Dazu aber gehört die Anstrengung, die eigenen
Einfälle und besonderen Meinungen, welche sich immer hervortun wollen,
von sich abzuhalten.
§ 239
b) Der Fortgang ist das gesetzte Urteil der Idee. Das unmittelbare
Allgemeine ist als der Begriff an sich die Dialektik, an ihm selbst seine
Unmittelbarkeit und Allgemeinheit zu einem Momente herabzusetzen. Es ist
damit das Negative des Anfangs oder das Erste in seiner Bestimmtheit
gesetzt; es ist für eines, die Beziehung Unterschiedener,—Moment
der Reflexion.
Dieser Fortgang ist ebensowohl analytisch, indem durch die immanente
Dialektik nur das gesetzt wird, was im unmittelbaren Begriffe enthalten
ist,—als synthetisch, weil in diesem Begriffe dieser Unterschied
noch nicht gesetzt war.
-
Zusatz. Im Fortgang der Idee erweist der Anfang sich
als das, was er an sich ist, nämlich als das Gesetzte und Vermittelte
und nicht als das Seiende und Unmittelbare. Nur für das selbst unmittelbare
Bewußtsein ist die Natur das Anfängliche und Unmittelbare und
der Geist das durch dieselbe Vermittelte. In der Tat aber ist die Natur
das durch den Geist Gesetzte, und der Geist selbst ist es, der sich die
Natur zu seiner Voraussetzung macht.
§ 240
Die abstrakte Form des Fortgangs ist im Sein ein Anderes und Übergehen
in ein Anderes, im Wesen Scheinen in dem Entgegengesetzten, im Begriffe
die Unterschiedenheit des Einzelnen von der Allgemeinheit,
welche sich als solche in das von ihr Unterschiedene kontinuiert
und als Identität mit ihm ist.
§ 241
In der zweiten Sphäre ist der zuerst an sich seiende Begriff zum Scheinen
gekommen und ist so an sich schon die Idee.—Die Entwicklung dieser
Sphäre wird Rückgang in die erste, wie die der ersten ein Übergang
in die zweite ist; nur durch diese gedoppelte Bewegung erhält der
Unterschied sein Recht, indem jedes der beiden Unterschiedenen sich an
ihm selbst betrachtet zur Totalität vollendet und darin sich zur Einheit
mit dem anderen betätigt. Nur das Sichaufheben der Einseitigkeit beider
an ihm selbst läßt die Einheit nicht einseitig werden.
§ 242
Die zweite Sphäre entwickelt die Beziehung der Unterschiedenen zu
dem, was sie zunächst ist, zum Widerspruche an ihr selbst—im
unendlichen Progreß—, der sich g) in das Ende auflöst,
daß das Differente als das gesetzt wird, was es im Begriffe ist.
Es ist das Negative des Ersten und als die Identität mit demselben
die Negativität seiner selbst; hiermit die Einheit, in welcher diese
beiden Ersten als ideelle und Momente, als aufgehobene, d.i. zugleich als
aufbewahrte sind. Der Begriff, so von seinem Ansichsein vermittels
seiner Differenz und deren Aufheben sich mit sich selbst zusammenschließend,
ist der realisiert Begriff, d.i. der Begriff, das Gesetztsein
seiner Bestimmungen in seinem Fürsichsein enthaltend,—die Idee,
für welche zugleich als absolut Erstes (in der Methode) dies Ende
nur das Verschwinden des Schein ist, als ob der Anfang ein
Unmittelbares und sie ein Resultat wäre;—das Erkennen, daß die
Idee die eine Totalität ist.
§ 243
Die Methode ist auf diese Weise nicht äußerliche Form, sondern
die Seele und der Begriff des Inhalts, von welchem sie nur unterschieden
ist, insofern die Momente des Begriffs auch an ihnen selbst
in ihrer Bestimmtheit dazu kommen, als die Totalität des Begriffs
zu erscheinen. Indem diese Bestimmtheit oder der Inhalt sich mit der Form
zur Idee zurückführt, so stellt sich diese als systematische
Totalität dar, welche nur eine Idee ist, deren besondere Momente
ebensowohl an sich dieselbe sind, als sie durch die Dialektik des
Begriffs das einfache Fürsichsein der Idee hervorbringen.—Die
Wissenschaft schließt auf diese Weise damit, den Begriff ihrer selbst
zu fassen, als der reinen Idee, für welche die Idee ist.
§ 244
Die Idee, welche für sich ist, nach dieser ihrer Einheit
mit sich betrachtet, ist sie Anschauen; und die anschauende
Idee Natur. Als Anschauen aber ist die Idee in einseitiger Bestimmung
der Unmittelbarkeit oder Negation durch äußerIiche Reflexion
gesetzt. Die absolute Freiheit der Idee aber ist, daß sie
nicht bloß ins Leben übergeht, noch als endliches Erkennen
dasselbe in sich scheinen läßt, sondern in der absoluten
Wahrheit ihrer selbst sich entschließt, das Moment ihrer Besonderheit
oder des ersten Bestimmens und Andersseins, die unmittelbare Idee
als ihren Widerschein, sich als Natur frei aus sich zu entlassen.
Zusatz. Wir sind jetzt zum Begriff der Idee, mit
welcher wir angefangen haben, zurückgekehrt. Zugleich ist diese Rückkehr
zum Anfang ein Fortgang. Das, womit wir anfingen, war das Sein, das abstrakte
Sein, und nunmehr haben wir die Idee als Sein; diese seiende Idee aber
ist die Natur.